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Ist meine Katze übergewichtig? Der Body Condition Score (BCS) Chart erklärt

28. Februar 2026 KittyCorner Team

Wenn Sie ein Foto Ihrer Katze in den sozialen Medien posten und ein Fremder kommentiert “Oh, was für ein dicker, flauschiger Kerl!”, fühlen Sie sich vielleicht anfangs leicht beleidigt. Sie schauen Ihre Katze an, die friedlich auf dem Sofa schläft, und denken sich: “Er ist nicht dick. Er ist nur… großknochig. Oder vielleicht ist es einfach viel Winterfell.”

Diese sehr menschliche, liebevolle Verleugnung trägt massiv zur größten, stillen Gesundheitskrise in der modernen Katzenhaltung bei.

Laut der Association for Pet Obesity Prevention sind über 60 % der Hauskatzen in westlichen Ländern klinisch übergewichtig oder fettleibig.

Das Problem ist, dass wir Menschen den Anblick leicht pummeliger Katzen so stark normalisiert haben (teilweise angetrieben durch Internet-Memes von “Chonky”-Katzen), dass eine Katze mit einem vollkommen gesunden, schlanken Idealgewicht für den durchschnittlichen Besitzer oft “abgemagert” oder “zu dünn” aussieht.

Feline Fettleibigkeit ist jedoch nicht süß. Ein einziges zusätzliches Kilogramm Körperfett bei einer durchschnittlichen 4,5 kg schweren Katze entspricht etwa 15 zusätzlichen Kilogramm bei einem durchschnittlichen Menschen. Dieses überschüssige Gewicht ruiniert ihre Gelenke (verursacht schmerzhafte Arthrose), überlastet ihr Herz drastisch und macht sie unglaublich anfällig für Katzendiabetes.

Wie können Sie also objektiv feststellen, ob Ihre Katze übergewichtig ist, ohne sich ausschließlich auf die Zahl auf der Waage zu verlassen? (Ein gesundes Gewicht für eine Siamkatze ist schließlich Verhungern für eine Maine Coon).

Die Antwort ist der tierärztliche Body Condition Score (BCS). Hier ist der schrittweise Leitfaden, wie Sie ihn zu Hause anwenden können.

Das BCS-System: Die 9-Punkte-Skala

Tierärzte verwenden typischerweise eine visuelle und taktile Skala von 1 bis 9, um das Körperfett einer Katze zu bewerten.

  • 1 bis 3: Untergewichtig (zu dünn)
  • 4 bis 5: Idealgewicht (perfekt)
  • 6 bis 7: Übergewichtig (zu dick)
  • 8 bis 9: Fettleibig (gefährlich)

Um den BCS Ihrer Katze zu bestimmen, müssen Sie drei einfache, physische Tests durchführen. Sie können dies nicht nur durch Hinsehen tun (besonders bei langhaarigen Rassen wie Persern); Sie müssen Ihre Hände benutzen.

Test 1: Der Rippen-Check (Der wichtigste Test)

Lassen Sie Ihre Katze stehen. Legen Sie Ihre Hände flach auf beide Seiten ihres Brustkorbs, direkt hinter die Vorderbeine. Bewegen Sie Ihre Hände sanft vor und zurück.

  • Idealgewicht (BCS 5): Sie sollten in der Lage sein, jede einzelne Rippe leicht zu ertasten. Es sollte sich anfühlen, als ob eine sehr dünne, weiche Polsterung (wie ein T-Shirt) über den Knochen liegt. Sie sollten nicht fest drücken müssen, um die Rippen zu finden.
  • Übergewichtig (BCS 7): Sie können die Rippen fühlen, aber nur, wenn Sie aktiv durch eine deutliche Schicht Fettgewebe drücken.
  • Fettleibig (BCS 9): Sie können die Rippen überhaupt nicht ertasten, egal wie stark Sie drücken. Der Brustkorb ist völlig unter einer dicken Fettschicht begraben.
  • Untergewichtig (BCS 2): Die Rippen sind nicht nur leicht zu ertasten, sie ragen bei kurzhaarigen Katzen auch sichtbar aus der Haut hervor und fühlen sich scharf an, ohne jegliche Fettabdeckung.

Ein hilfreicher Vergleich: Fühlen Sie mit den Fingerspitzen über die Knöchel auf dem Handrücken, wenn Ihre Hand flach auf dem Tisch liegt. Genau so sollten sich die Rippen einer Katze mit Idealgewicht (BCS 5) anfühlen. Drehen Sie nun Ihre Hand um und fühlen Sie die fleischige Basis Ihres Daumens auf der Handfläche. Wenn sich die Rippen der Katze so dick und fleischig anfühlen, ist sie (BCS 8) fettleibig.

Test 2: Der Taillen-Check (Die Vogelperspektive)

Stellen Sie sich direkt über Ihre Katze, während sie steht, und schauen Sie von oben auf ihren Rücken herab.

  • Idealgewicht (BCS 5): Die Katze sollte eine deutliche “Sanduhr”-Figur haben. Hinter dem Brustkorb sollte sich der Körper sichtbar nach innen verjüngen (eine Taille bilden), bevor er sich an den Hüften wieder verbreitert.
  • Übergewichtig (BCS 7): Die Taille ist völlig verschwunden. Der Körper der Katze ist vom Brustkorb bis zu den Hüften völlig gerade (wie ein Rohr).
  • Fettleibig (BCS 9): Die Katze ist breiter als lang. Der Bauch wölbt sich massiv an den Seiten heraus, wie ein Ballon.

Test 3: Der Baucheinzug (Die Seitenansicht)

Betrachten Sie Ihre Katze im Stehen (nicht im Sitzen) von der Seite. Schauen Sie auf die Linie ihres Bauches, beginnend direkt hinter den Vorderbeinen bis hinunter zu den Hinterbeinen.

  • Idealgewicht (BCS 5): Der Bauch sollte sich nach oben verjüngen oder “einziehen”, während er in Richtung der Hinterbeine verläuft. Der Bauch sollte den Boden nicht berühren oder hängen.
  • Übergewichtig/Fettleibig (BCS 7-9): Der Bauch verläuft völlig flach parallel zum Boden oder (bei starker Fettleibigkeit) hängt tief und rund herunter, oft wackelt er stark beim Gehen.

Der Urbeutel-Vorbehalt (Primordial Pouch)

Verwechseln Sie nicht Fett mit dem “Urbeutel” (Primordial Pouch). Fast alle Katzen haben einen natürlichen, losen Hautlappen, der direkt vor den Hinterbeinen am Bauch hängt. Dieser Beutel sollte sich anfühlen wie zwei lose, leere Hautschichten (wie ein entleerter Ballon), die zwischen Ihren Fingern hin und her gleiten. Wenn dieser Hängebauch mit festem, massivem, teigigem Fett gefüllt ist, ist es kein harmloser Urbeutel; es ist gefährliches Bauchfett.

Mein BCS ist 7 oder höher. Was nun?

Wenn Ihre ehrliche Einschätzung lautet, dass Ihre Katze übergewichtig oder fettleibig ist, geraten Sie nicht in Panik, aber handeln Sie.

Hungern Sie eine fettleibige Katze niemals aus. Wenn Sie die Kalorien einer stark übergewichtigen Katze plötzlich drastisch reduzieren, schickt ihr Körper das gelagerte Fett in massiven Mengen an die Leber, um es zur Energiegewinnung zu verarbeiten. Die Leber wird sofort überlastet und versagt (ein oft tödlicher Zustand namens Hepatische Lipidose oder Fettleber).

Gewichtsverlust bei Katzen muss unerträglich langsam erfolgen.

  1. Stoppen Sie die Ad-libitum-Fütterung (freie Verfügung): Werfen Sie den riesigen Napf mit Trockenfutter, der den ganzen Tag draußen steht, weg. Sie müssen auf strikte, abgemessene Mahlzeiten umstellen.
  2. Berechnen Sie die Kalorien: Finden Sie das Idealgewicht Ihrer Katze (z.B. 4,5 kg) heraus, nicht ihr aktuelles Gewicht (z.B. 6 kg). Bitten Sie Ihren Tierarzt, Ihnen die genauen Kalorien (kcal) pro Tag mitzuteilen, die erforderlich sind, um auf dieses gesunde Gewicht von 4,5 kg zu kommen. (Normalerweise etwa 180 bis 220 Kalorien pro Tag für eine erwachsene Wohnungskatze zur Gewichtsreduktion).
  3. Feuchtigkeit ist wichtig: Trockenfutter ist unglaublich kohlenhydrat- und kalorienreich. Feuchtes Dosenfutter (Nassfutter) besteht hauptsächlich aus Protein und Wasser. Durch die Umstellung auf Nassfutter wird die Katze aufgrund des großen Wasservolumens im Magen deutlich schneller satt, nimmt aber deutlich weniger Kalorien auf.
  4. Messen, nicht schätzen: Verwenden Sie eine digitale Küchenwaage in Gramm, um Futterportionen abzuwiegen, niemals einen Plastikmessbecher.

Fazit

Sie tun Ihrer Katze keinen Gefallen, wenn Sie nachgeben und ihr jedes Mal, wenn sie jault, eine Handvoll Leckerlis geben. Sie verkürzen aktiv ihr Leben. Lernen Sie, den Body Condition Score objektiv (und streng) anzuwenden, fühlen Sie regelmäßig nach diesen Rippen und haben Sie keine Angst davor, dass Ihr majestätischer “Chonky Boy” im Haus wieder zu einem schlanken, flinken kleinen Panther wird.